Der AIB feiert sein 50-jähriges Jubiläum

Stand: 01.02.2024

Der Ausländer- und Integrationsbeirat hat am 20.01.2024 sein 50-jähriges Bestehen mit einem festlichen Neujahrsempfang im Rathaus gefeiert. Mit dabei waren der bayerische Innenminister Herr Herrmann, Oberbürgermeister Dr. Janik, Entsandte verschiedener Konsulate sowie Vertreter*innen aus Politik und Zivilgesellschaft.

Der Vorsitzende Rami Boukhachem bedankte sich bei seinen Vorgängerinnen und Vorgängern Josef Jelinek, Ruhi Teksifer, Georges Cheliotis, Jose Luis Ortega, Marianne Vittinghoff, Khalil Bardag und Lütfiye Yaver-Bozkurt sowie bei allen ehemaligen und aktuellen Mitgliedern des Beirats für ihre Arbeit. Rami Boukhachem sieht Erlangen als fortschrittliche und offene Stadtgesellschaft und lobte die langjährigen Bemühungen der Stadt im Bereich der Integration.

Der Vorsitzende betonte in einer sehr persönlichen Rede seinen Wunsch nach Chancengerechtigkeit für alle Kinder im deutschen Bildungssystem: „Immer noch werden Kinder und Enkelkinder von Zugewanderten überdurchschnittlich benachteiligt und das 22 Jahre nach der Verabschiedung des Zuwanderungsgesetzes“. Rami Boukhachem appelliert an Politik und Gesellschaft, Menschen als selbstverständlichen Teil der Gesellschaft zu verstehen, unabhängig von Herkunft oder Identität. Der Vorsitzende betont, dass die bundesweite Einführung des kommunalen Wahlrechts ein wichtiger Schritt für mehr Demokratie wäre: „Die Einführung des kommunalen Wahlrechts stünde für eine ganz große Koalition aller Demokratinnen und Demokraten gegen den Hass und die Hetze der Rechtspopulisten. Und es wäre ein starkes Zeichen für alle Menschen mit Migrationsbiographie, ein Zeichen, dass wir doch voll und ganz dazugehören zu diesem Land.

Oberbürgermeister Dr. Janik sieht es als eine wichtige Voraussetzung für eine gelingende Integration von Zugewanderten an, allen Menschen entsprechende Integrationsangebote, vor allem im Bereich der Sprache, zu machen. Er sieht gesellschaftliche Vielfalt als selbstverständliche Bereicherung. Dr. Janik warb für ein respektvolles und friedliches Zusammenleben aller, frei von Diskriminierungen oder Zuschreibungen.

Der Innenminister dankte allen bisherigen Mitgliedern des Ausländer- und Integrationsbeirats für ihren wichtigen Beitrag zu gelingender Integration: "Sie bringen kreative Lösungen vor Ort in die Politik mit ein und bauen wichtige Brücken zwischen den verschiedenen Kulturen. So fördern Sie gegenseitiges Verständnis und setzen ein Zeichen für ein friedliches Zusammenleben."

Beim anschließenden Kamingespräch berichteten Wegbegleiter*innen des Beirats über die Lebensbedingungen von Zugewanderten seit den 70er Jahren. Mitra Sharifi (Vorsitzende des Dachverbands der kommunalen Integrationsbeiräte Bayerns, AGABY), Liz Nicholson (stellv. Vorsitzende des Erlanger Ausländer- und Integrationsbeirats), Evangelos Angelidis (ehem. Beiratsmitglied, zugewandert als früherer "Gastarbeiter") sowie Lilaf Shikho (ehem. Geflüchtete) tauschten ihre Erfahrungen aus.

Mitra Sharifi wünschte dem Erlanger Beirat weiterhin "engagierte Mitglieder sowie eine wachsame Gesellschaft, die aktiv ist, wenn es darauf ankommt". Liz Nicholson erinnert an die Worte eines schottischen Abgeordneten, der sagte: "Es gibt keine Ausländer in Schottland. Wenn Sie hier leben, sind Sie einer von uns", und appelliert damit an die Gesellschaft, offen auf Zugewanderte zuzugehen. Evangelos Angelidis hofft für die Zukunft, dass die Stadt Erlangen weiterhin auf die Anliegen des Beirats eingeht und man gemeinsam Lösungen findet. Lilaf Shikho wünscht sich weiterhin ein friedliches Zusammenleben aller Menschen und spricht sich für das kommunale Wahlrecht für alle aus. Moderiert wurde die Veranstaltung von Souzan Nicholson, hauptamtliche Integrationslotsin des Landkreis Kulmbach.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von der Erlanger Flüchtlingsband Miasanzam mit wunderschönen Liedern aus der Heimat von ehemals Zugewanderten.

Der Beirat feiert sein 50-jähriges Bestehen am 8. Juni 2024 mit einem großen Fest für Vielfalt und Toleranz im Schlossgarten in Erlangen. Dazu sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

Rede des Vorsitzenden Rami Boukhachem