Studienseminar zu Erinnerungsorten in Bozen und Cumiana
Stand: 14.07.2026
Exkursion zur Geschichte Italiens im 20. Jahrhundert führte FAU Lehrstuhl Didaktik der Geschichte auch in Erlangens italienische Partnerstädte
Vom 24. bis 30. Mai 2026 fand die Exkursion des Lehrstuhls für Didaktik der Geschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zum Thema „Italien im Ersten Weltkrieg, im Faschismus und unter deutscher Besatzung (1915–1945): Geschichte, Erinnerung und Vermittlung“ statt.
Unter der Leitung von Nadja Bennewitz (M.A.) und Leonard Stöcklein reisten 19 Studierende für das Lehramt Geschichte nach Bozen, zur Kriegsgräberstätte „Totenburg“ am Passo Pordoi, in das Museo della Guerra in Rovereto, zum ehemaligen NS-Durchgangslager Fossoli bei Carpi sowie nach Cumiana und Turin. Im Mittelpunkt standen Erinnerungsorte, an denen sich die Geschichte des Ersten Weltkriegs, des Faschismus und der deutschen Besatzung Italiens nachvollziehen lässt.
Geschichtsdidaktik in der Praxis
Ziel der Exkursion war es, den Lehramtsstudierenden sowohl fachwissenschaftliche als auch fachdidaktische Kompetenzen zu vermitteln. Sie sollten befähigt werden, künftig selbstständig Exkursionen mit Schulklassen zu historischen Erinnerungsorten fachlich fundiert vorzubereiten, durchzuführen und nachzubereiten.
Erinnerungskultur in Bozen
In Erlangens Südtiroler Partnerstadt Bozen setzte sich die Gruppe mit der faschistischen Instrumentalisierung des italienischen Sieges im Ersten Weltkrieg auseinander. Am Beispiel des Siegesdenkmals sowie weiterer Bauwerke und städtebaulicher Veränderungen wurde deutlich, wie das faschistische Regime seine Herrschaft symbolisch im öffentlichen Raum verankerte. Darüber hinaus wurden die „Italianisierung“ Südtirols, koloniale Diskurse und die faschistischen Eroberungskriege der 1930er Jahre thematisiert.
Der Historiker Dr. Hannes Obermair vermittelte den Studierenden Einblicke in die bis heute unterschiedlichen deutsch- und italienischsprachigen Erinnerungskulturen in der Stadt Bozen.
Deutsche Kriegsverbrechen und Erinnerung in Cumiana
In Cumiana standen die Repression des italienischen Widerstands sowie die schweren Kriegsverbrechen der SS an der Zivilbevölkerung im Mittelpunkt. Der Politikwissenschaftler und Buchautor Marco Comello führte die Gruppe zu den historischen Schauplätzen und erläuterte die bis heute prägenden Folgen des Massakers für die lokale Erinnerungskultur.
Diskutiert wurden außerdem die deutsche Täterschaft, die vielfach unzureichende juristische Aufarbeitung der Verbrechen sowie Möglichkeiten ihrer Vermittlung im Geschichtsunterricht. Der Journalist Alberto Custodero berichtete von seinen Recherchen zu einem an dem Massaker beteiligten SS-Angehörigen, der nach dem Krieg unbehelligt in Erlangen lebte. Eine besondere Verbindung zwischen beiden Orten besteht durch die seit 2001 bestehende Städtefreundschaft zwischen Erlangen und Cumiana, in deren Fokus seit ihrer Begründung die gemeinsame Erinnerung an das Massaker vom 3. April 1944 steht.
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