Zahlen und Fakten zum Internationalen Frauentrag
Stand: 23.02.2026
Wussten Sie, dass Frauen in Deutschland im Schnitt 16 % weniger verdienen als Männer und fast 29 Stunden pro Woche unbezahlte Sorgearbeit leisten?
Der Internationale Frauentag wird jedes Jahr am 8. März begangen und hat seinen Ursprung in den Arbeits- und Wahlrechtskämpfen von Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. 1911 wird der Tag erstmals gefeiert und 1975 von den Vereinten Nationen (UN) als Internationaler Frauentag institutionalisiert. Dies markiert einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Gleichstellung.
Doch wie schreitet die Gleichstellung seitdem voran?
Oder: Noch 123 Jahre bis zur Gleichstellung
Trotz vieler Fortschritte verläuft der Weg zur tatsächlichen Gleichstellung langsam. Laut dem Global Gender Gap Report 2025 des Weltwirtschaftsforums wird es bei aktuellem Tempo weltweit noch rund 123 Jahre (Global Gender Gap Index 69.0%) dauern, bis Gleichstellung der Geschlechter erreicht ist.
Deutschland auf Platz 9 beim Global Gender Gap
In Deutschland ist mit einem Global Gender Gap Index von 80.3% der Abstand zwar geringer, dennoch zeigen viele Indikatoren, dass strukturelle Benachteiligungen weiterhin bestehen und im Vergleich größer werden. So war Deutschland im Jahr 2023 noch auf Platz 6 beim Global Gender Gap Index, im Jahr 2025 nur noch auf Platz 9.
Strukturelle Benachteiligung zeigt sich in allen Lebensbereichen
Ungleiche Bezahlung (Gender Pay Gap)
Trotz jahrzehntelanger Fortschritte bleibt die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland bestehen: Der unbereinigte Gender Pay Gap lag 2025 bei 16 %. Das bedeutet, Frauen verdienen durchschnittlich 16 % weniger pro Stunde als Männer und arbeiten damit rechnerisch fast zwei Monate im Jahr "unbezahlt". Selbst wenn Faktoren wie Beruf, Qualifikation oder Arbeitsumfang berücksichtigt werden, bleibt noch ein bereinigter Gender Pay Gap von 6 %.
Besonders groß ist die Lücke nach der Familiengründung: Während sie unter 30 Jahren noch bei 9 % liegt, steigt sie bei Frauen zwischen 30 und 49 Jahren auf bis zu 28 % an. Die Ursachen reichen von vermehrten Anstellungen in schlechter bezahlten Berufen über geringere Aufstiegschancen bis hin zur ungleichen Verteilung von Sorgearbeit und Teilzeitarbeit. Ungleich verteilte Sorgearbeit und Mental Load
Frauen leisten in Deutschland rund 43 % mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer. Das sind etwa 76 Minuten täglich oder pro Woche insgesamt knapp 29 Stunden (Männer: 20 Stunden). Ob Kinderbetreuung, Pflege oder Haushalt: Der sogenannte Gender Care Gap zeigt, dass Frauen deutlich mehr Zeit in unbezahlte Arbeit investieren. Das wirkt sich negativ auf Einkommen, Karrierechancen und Altersvorsorge aus. Auch die unsichtbare Organisationsarbeit („Mental Load“) bleibt meist an Frauen hängen. Eine gerechtere Verteilung der Sorgearbeit wäre also ein zentraler Schritt für ökonomische Unabhängigkeit und Gleichstellung.
Geringere Repräsentation in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft
Frauen in den Parlamenten
Obwohl Parlamente das Herzstück der Demokratie sind und gerechte Repräsentation aller gesellschaftlichen Gruppen sichern sollten, ist der Frauenanteil im Bundestag nach der Wahl 2025 auf nur noch 32,4 % gesunken. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich weiterhin nur im Mittelfeld. In den Kommunalparlamenten ist der Anteil mit rund 30 % noch geringer. In bayerischen Landestag ist der Frauenanteil mit rund 25 % im Vergleich zu den anderen Bundesländern am geringsten.
Frauen in Führungspositionen
Frauen sind in Führungspositionen weiterhin deutlich unterrepräsentiert: Im Jahr 2024 waren nur 29,1 % der Führungskräfte Frauen, deutlich weniger als im EU-Durchschnitt von 35,2 %. Zum Vergleich: Spitzenreiter Schweden kommt auf einen Frauenanteil von 44,4 % in Führungspositionen. Deutschland liegt damit im europäischen Vergleich weiterhin im unteren Mittelfeld.
Frauen in der Wissenschaft
Auch in der Wissenschaft ist die „gläserne Decke“ erkennbar: Im Jahr 2023 lag der Frauenanteil an Professuren an deutschen Hochschulen bei nur 28,8 %. Während bei den Juniorprofessuren mit 49,4 % fast Parität erreicht wurde, sinkt der Anteil mit steigender Besoldungsstufe. Es zeigt sich: Je höher die Position, desto geringer der Frauenanteil.
Altersarmut (Gender Pension Gap)
Die logische Konsequent aller oben genannten strukturellen Benachteiligungen ist, dass Frauen stärker von Altersarmut betroffen sind. Wegen ihrer Erwerbsbiografien, der Lohnlücke und unbezahlten Sorgearbeit haben sie am Ende des Tages geringerer Rentenansprüche. In Bayern ist die Armutsgefährdungsquote bei Menschen ab 65 mit rund 21 % bundesweit am höchsten, bei Frauen ab 65 Jahren liegt sie sogar bei rund 25 %.
Gender Health Gap
Dieser beschreibt geschlechtsspezifische Ungleichheiten im Gesundheitsbereich, die durch biologische, soziale und wirtschaftliche Faktoren bedingt sind. Obwohl Frauen eine höhere Lebenserwartung haben, leiden sie häufiger unter chronischen Erkrankungen und erleben oft Benachteiligungen im Gesundheitssystem, etwa durch fehlende Forschung an weiblichen Patientinnen oder dadurch, dass ihre Beschwerden weniger ernst genommen werden.