Jahresschlussreden 2025
Stand: 18.12.2025
Traditionell endete die letzte Sitzung des Jahres mit der Jahresschlussrede von Oberbürgermeister Florian Janik. Das Schlusswort für den Gesamtstadtrat kam von Eva Linhart von der Grüne Liste-Fraktion.
Zu seiner letzten öffentlichen Sitzung 2025 kam der Stadtrat am 11. Dezember im Ratssaal des Rathauses zusammen. Traditionell endete die Sitzung mit der Jahresschlussrede von Oberbürgermeister Florian Janik. Das Schlusswort für den Gesamtstadtrat kam von Eva Linhart von der Grüne Liste-Fraktion. Dieser Teil der Sitzung wurde per Audio-Livestream im Internet live übertragen.
Sie müssen den Cookies für YouTube zustimmen, um diesen Inhalt sehen zu können.
Redemanuskripte
Jahresschlussrede - Florian Janik, Oberbürgermeister
- es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
zu Beginn des Jahresrückblicks gedenken wir der Menschen, die im zurückliegenden Jahr verstorben sind. [Ich möchte Sie deshalb bitten, sich von den Plätzen zu erheben.]
Verstorben sind Walter Böhlk, von 1973 bis 1994 Leiter des Referats Stadtplanung und Bauwesen und berufsmäßiges Stadtratsmitglied und Werner Kirchhoff, von 1961 bis 2002 im Dienst der Stadt Erlangen ab 1982 Leiter des Sozialamtes und ab 1997 Referent für Soziales und Wohnungswesen Aus dem Kreis der ehemaligen Stadtratsmitglieder trauern wird um Stefan Barth, der von 1978 bis 1990 der SPD-Fraktion angehörte und um Petra-Maria Schreiber-Dach von 1990 bis 1997 für die SPD im Stadtrat, ab 1994 als Fraktionsvorsitzende.
Auch aus dem Kreis der ehemaligen und aktiven Mitarbeiter*innen haben wir Tote zu beklagen. Stellvertretend erinnere ich heute an die, die im aktiven Dienst starben. An Silke Falk, Leiterin des Liegenschaftsamtes, an Edgar Ganshorn, tätig im Standesamt und Friedhofsverwaltung, an Heinz Mathi, Jürgen Meier und Adam Meinhart, alle Mitarbeiter im Betrieb für Stadtgrün, Abfallwirtschaft und Straßenreinigung und Herr Lutz Plorin, zuletzt tätig im schauspiel erlangen. Stellvertretend für verdiente Persönlichkeiten aus der Stadtgesellschaft nenne ich Marianne Vittinghoff, langjährige Vorsitzende des Ausländer -und Integrationsbeirats. Wir werden allen Verstorbenen ein ehrendes Gedenken bewahren.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
in einer Welt voller Krisen – angesichts von Klimawandel, sozialer Spaltung, wirtschaftlicher Unsicherheit und Kriegen – fällt es schwer, am Ende eines ereignisreichen Jahres von Mut zur Zukunft zu sprechen. Denken wir nur an die letzte Woche zurück. Ein Strategiepapier des Weißen Hauses zeigt uns, wie sehr sich die Vereinigten Staaten in nur einem Jahr zur Autokratie verändert haben. Und noch schlimmer: wie das Mutterland westlicher Verfassungsdemokratien nun die Grundwerte Europas direkt in Frage stellt.
Gerade in diesen Zeiten braucht es Mut zur Zukunft – und Mut zum Miteinander. „Mut beginnt dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen – füreinander, für ihre Nachbarschaft, für das Gemeinwesen, in dem sie leben“, hat der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck dieses Jahr beim Deutschen Stiftungstag gesagt. Kommunen sind genau die Orte, an denen dieser Mut gelebt wird. Hier übernehmen Menschen ganz konkret Verantwortung füreinander. Und hier werden im demokratischen Miteinander die Weichen gestellt: für zukunftsfähige Arbeitsplätze, für bezahlbares Wohnen und für Lebensqualität.
Doch gerade die Kommunen geraten bundesweit zunehmend unter finanziellen Druck. Städte und Gemeinden stehen heute vor immer mehr Aufgaben – Klimaschutz, Kinderbetreuung, Integration. Sie erhalten dafür aber zu wenig Mittel. Gleichzeitig steigen Energie-, Bau- und Personalkosten. Die enormen Herausforderungen, mit denen unser städtischer Haushalt zu kämpfen hat, haben nahezu jede Sitzung des Stadtrats bestimmt.
„Mut heißt: sich der Realität zu stellen, auch wenn sie unbequem ist“, sagte Gauck. Genau das mussten wir in den vergangenen Monaten tun. Im Zuge der Haushaltskonsolidierung haben wir schwere Entscheidungen getroffen. Ja, wir tun alles dafür, gewachsene Strukturen zu erhalten. Aber natürlich treffen die Kürzungen auch Vereine und Initiativen. Wir haben sehr genau unterschieden, wo Einsparungen möglich sind – und wo wir diejenigen schützen müssen, die Unterstützung brauchen. Aber leider ist es auch nicht vermeidbar, dass es zu Belastungen für Bürgerinnen und Bürger kommt.
Wir zeigen Mut zur Verantwortung – und das unter schweren Bedingungen. Wir konsolidieren, um weiter in die Zukunft und in das Miteinander investieren zu können: in gute Kinderbetreuung und moderne Schulen. Aber auch in Orte der Begegnung wie das kubic, das Stadtteilhaus West oder das ZAM.
Wir wissen aber auch: Wichtige Investitionen, die wir eigentlich starten müssten, bleiben vorerst liegen. Und in vielen Bereichen arbeiten unsere städtischen Beschäftigten unter erschwerten Bedingungen, weil notwendige Stellen nicht geschaffen oder nachbesetzt werden. In der Verwaltung bietet die Konsolidierung aber auch Chancen: Wir prüfen Prozesse, gestalten sie effizienter und treiben die Digitalisierung voran. Und wir gestalten moderne und mobile Arbeitswelten. Damit stellen wir uns als Arbeitgeberin für die Zukunft auf und sparen Mietkosten für Verwaltungsgebäude ein.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
trotz der derzeit schwierigen Haushaltslage gibt es genug Grund, die Zukunft unserer Stadt mit Mut und Zuversicht anzugehen. Auch wenn sich die Haushaltsprobleme teilweise negativ auf die Gesamtbewertung auswirken, bescheinigen renommierte Analysen Erlangen regelmäßig eine starke Wirtschafts- und Innovationskraft. Sie zeigen auch: Menschen leben hier gerne – und sie leben sicher.
Das hat gute Gründe. Denn anders als viele andere Kommunen stecken wir nicht in einer wirtschaftlichen Strukturkrise. Erlangen bleibt eine Stadt, in die Menschen, Institutionen und Unternehmen investieren.
Derzeit fließen über fünf Milliarden Euro in laufende Projekte – öffentlich wie privat. Hier entstehen Vorhaben in den zentralen Zukunftsbranchen unseres Landes: Energie, Medizin und Digitalisierung. Erlangen ist und bleibt eine Stadt mit Zukunft.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
als Stadtrat und Stadtverwaltung leisten wir dazu einen entscheidenden Beitrag. Auch unter schwierigen Haushaltsbedingungen beweisen wir Mut zur Zukunft und Mut zum Miteinander. Wir kümmern uns um Entwicklungsmöglichkeiten für erfolgreiche Unternehmen am Standort, um ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum, um eine moderne Infrastruktur und um effiziente Mobilität.
Egal ob es um den Siemens-Campus, den Siemens-Technology-Campus in der Frauenauracher Straße, die Entwicklung der Friedrich-Alexander-Universität oder Spitzenforschung geht: Wir schaffen mit großem Tempo die notwendigen baurechtlichen Rahmenbedingungen. Denn es geht hier um die Zukunft unseres Standorts und damit um gute Jobs für die Menschen. Gleichzeitig haben wir die vielen mittelständischen Unternehmen im Blick. Denn die positive Entwicklung vieler dieser Firmen trifft auf knappe und teure Flächen.
Mit dem jetzt gestarteten Stadtentwicklungskonzept gehen wir dieses Thema strategisch an – verantwortungsvoll und vorausschauend. Dabei werden wir Potenziale in bestehenden Gewerbegebieten betrachten, zum Beispiel durch die Aktivierung in die Jahre gekommener Gewerbeimmobilien. Wir werden die Aktivierung und Verdichtung bestehender Gewerbegebiete vorantreiben. Zur Betrachtung gehört aber auch die Neuausweisung von Flächen.
Es geht darum, im Miteinander die Zukunftschancen unserer Stadt zu sichern. Und es geht darum, dass es auch in Zukunft gute und sichere Arbeitsplätze in Erlangen gibt. Der gestartete Prozess des Stadtentwicklungskonzepts bietet die Möglichkeit, alle wichtigen Perspektiven zusammenzuführen, das Vertrauen in die Dialogkultur und das Miteinander unserer Stadt zu stärken und Mut zu Veränderungen für die Zukunft Erlangens zu machen. Spätestens 2028 werden wir die Menschen in Erlangen befragen, um gemeinsam ein innovatives und zeitgemäßes Gewerbegebiet zu entwickeln.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
gleichzeitig schaffen wir eine Stadt, in der Menschen gut miteinander leben. Menschen, die in Erlangen jeden Tag Verantwortung für das Miteinander übernehmen, sollen sich hier auch das Wohnen leisten können. Vorhandene Flächen sollen gut genutzt werden, und die hohe Lebensqualität in unserer Stadt soll erhalten bleiben. Das sind und bleiben zentrale Zukunftsaufgaben.
Auch hier haben Stadtrat und Stadtverwaltung mutig die Weichen gestellt. Erlangen gehört zu den wenigen Städten, in denen die Zahl geförderter Wohnungen trotz vieler auslaufender Bindungen nicht zurückgegangen ist. Der Bau der Wohnungen verlief nicht immer ohne Konflikte. Aber heute hat sich die Kritik gelegt, und es werden die Verbesserungen gesehen – für die ganze Stadtgesellschaft durch mehr Wohnraum und ganz konkret in den Stadtteilen durch eine höhere Lebensqualität.
Wir denken Klimaschutz und Wohnen zusammen und gehen bei beiden Themen mutig voran. Denn Energiewende und Gebäudesanierungen sind die stärksten Hebel, dem Klimawandel vor Ort zu begegnen. Und sie sind Voraussetzung, um Wohnen auf Dauer bezahlbar zu halten. Als eine der ersten Städte in Bayern schließen wir unsere Wärmeplanung ab. Dabei werden die Potenziale für neue Nahwärmenetze und den Ausbau des Fernwärmenetzes aufgezeigt. Und Projekte wie die serielle Gebäudesanierung der GEWOBAU zeigen, wie Zukunft, Klimaschutz und bezahlbares Wohnen miteinander verbunden werden können.
Gleichzeitig wissen wir: Trotz aller Bemühungen fehlen weiter Wohnungen. Deshalb lassen wir bei der Schaffung von neuem Wohnraum nicht nach. Gemeinsam mit Siemens entwickeln wir das Südquartier weiter. Dort entstehen rund 2.000 Wohnungen – ein Projekt, das die Zukunft unserer Stadt prägen und Raum für ein vielfältiges Miteinander schaffen wird. Auch im Quartier Siemens Mitte und in der Regnitzstadt schaffen wir Grundlagen für bezahlbaren Wohnraum. Und erst in dieser Woche haben wir die nächsten Schritte für die Planung eines neuen klimaneutralen Stadtteils auf den Weg gebracht. Und auch dort werden wir darauf achten, dass ausreichend bezahlbarer Wohnraum entsteht und Menschen mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen zusammenleben.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
ein wesentliches Zukunftsthema bleibt die Mobilität. Es geht darum, dass jede und jeder gut von A nach B kommt, egal ob in der Freizeit, die Schule, in die Uni oder auf die Arbeit. An einem Wirtschaftsstandort, an dem es so viele Arbeitsplätze wie Einwohner gibt, entscheidet gute Mobilität aber auch über die wirtschaftliche Attraktivität unserer Stadt. Und die Frage, wie wir mit den großen Verkehrsströmen umgehen, bestimmt auch ganz wesentlich die Lebensqualität in den Stadtteilen.
In einem umfassenden Beteiligungsprozess haben wir ein mutiges Konzept erarbeitet, den Verkehrsentwicklungsplan. Es zeigt, wie wir unsere Mobilität für die Zukunft dauerhaft sicher, bezahlbar und effizient aufstellen.
Wir bauen die Fahrradstadt Erlangen entlang der wichtigen Radverkehrsachsen weiter aus. Unser Fahrradverleihsystem VAG_Rad ist ein großer Erfolg und bewegt Menschen zum Umsteigen. Mit dem Fußverkehrskonzept stärken wir eine nachhaltige Mobilität. Und durch die konsequente Nutzung der neuen Möglichkeiten zur Ausweisung von Tempo-30-Bereichen schaffen wir mehr Sicherheit auf Schulwegen und mehr Lebensqualität in unseren Quartieren.
Mit der Stadt-Umland-Bahn stellen wir unseren Wirtschaftsstandort zukunftsfest auf. Eines der größten Infrastrukturprojekte in Deutschland verwirklichen wir mit umfassender Bürgerbeteiligung und zweimaliger Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
nicht jedes der von mir heute genannten Themen findet im Stadtrat die Zustimmung aller. Aber wir ringen in gemeinsamer Verantwortung um die Zukunft unserer Stadt. Wir wägen ab, wir diskutieren – und wir kommen zu Entscheidungen. Wir schaffen Transparenz und Planungssicherheit – und damit Mut zur Zukunft.
Demokratie ist mühsam. Sie verlangt Kompromisse, Geduld und auch Mut, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Gerade jetzt braucht es starke Städte. Städte, in denen Menschen wieder Vertrauen in staatliches Handeln gewinnen. Städte, in denen Menschen erfahren, dass die Transformation unseres Industriestandorts hin zu Klimaschutz und Digitalisierung gelingt. Stadtrat und Stadtverwaltung nutzen in Erlangen ihre Möglichkeiten, diese Prozesse zu gestalten. Doch wie alle Kommunen brauchen wir mehr finanziellen Spielraum, um die großen Herausforderungen bewältigen zu können.
Finanzausgleich und Sondervermögen sind wichtige Bausteine. Aber die Entlastungen müssen weitergehen – im Sinne eines verantwortlichen Miteinanders von Bund, Ländern und Kommunen. Dazu gehört auch, dass die große Koalition die angekündigte Reform der Gewerbesteuer endlich anpackt. So wird ein ruinöser Wettbewerb zwischen Kommunen um niedrige Gewerbesteuersätze verhindert.
Wir brauchen starke Kommunen und belastbare staatliche Strukturen. Aber wir brauchen auch den Mut, nicht immer nur auf den Staat zu schauen. Wir brauchen eine starke Zivilgesellschaft – Menschen, die sich einbringen, mitgestalten und Mut haben, Verantwortung zu übernehmen. Denn die Herausforderungen, die uns Klimawandel, Demografie und Migration stellen, können wir nur im Miteinander bewältigen.
Erlangen ist eine Stadt, in der sich Menschen einbringen: In Sportvereinen, in Kirchen, in der Bürgerstiftung, in der Flüchtlingsarbeit oder bei mutigen Projekten wie dem Zentrum für Austausch und Machen in der Innenstadt. Und im vergangenen Jahr haben wir gesehen, an wie vielen Stellen Menschen schon die Initiative ergriffen haben und Aufgaben übernehmen, die bislang von der Stadt getragen wurden. Da kann es um kleine Dinge gehen wie das Auffüllen von Hundekotbeutelspendern oder das Bewässern von Bäumen. Genau so geht es aber auch um große Spenden wie bei der Fliesenaktion des E-Werk oder für den Hilfsfonds der Bürgerstiftung für Vereine, Organisationen und Initiativen. Genau dieses Engagement zeigt die Stärke unserer Zivilgesellschaft. Und es zeigt, dass Menschen Verantwortung für das übernehmen, was sie an Erlangen lieben und was Erlangen stark macht: das Miteinander in einer Stadt, die Zukunft hat. Und genau dieses Handeln kann uns Mut machen.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
die Weihnachtstage lassen für viele Menschen Ruhe einkehren. Sie sind eine Möglichkeit, Verantwortung für einen Moment abzugeben und Kraft zu tanken. Und sie erinnern uns daran, wie wertvoll ein gutes Miteinander ist – gerade in herausfordernden Zeiten.
Das Ende des Jahres ist eine Gelegenheit, „Danke“ zu sagen. Ich danke all den Menschen, die sich in unserer Stadt engagieren und damit Verantwortung für andere übernehmen. Mein besonderer Dank gilt den Mitarbeiter*innen der Stadtverwaltung, dem gesamten Referent*innenkollegium und dem Personalrat für die verlässliche Zusammenarbeit. Und Ihnen, den Mitgliedern des Stadtrates, danke ich für Ihren Einsatz.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein erholsames Weihnachtsfest – und einen guten Start ins neue Jahr.
- es gilt das gesprochene Wort -
Foto: Pressestelle cz
Jahresabschlussrede im Namen des Stadtrats – Eva Linhart, Fraktionsvorsitzende Grüne Liste
- es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung,
liebe Gäste,
in dieser letzten Sitzung des Jahres lohnt es sich, einmal kurz stehen zu bleiben, innezuhalten und zurückzuschauen. Wir blicken auf zwölf Monate, in denen sich nicht nur die Welt weiter verändert hat, sondern auch wir hier vor Ort mit Herausforderungen konfrontiert wurden, die wir uns alle so sicher nicht gewünscht haben.
1. Die Weltlage 2025 – Krisen, die uns nicht loslassen
Wenn wir den Blick über Erlangen hinaus richten, sehen wir eine Welt, die auch 2025 von Erschütterungen geprägt war. Der Krieg in der Ukraine dauert nun fast vier Jahre. Vier Jahre Zerstörung, 5 Millionen Geflüchtete, unzählige Schicksale, die auch bei uns in Erlangen Zuflucht gefunden haben. Und nun zeichnet sich ein Friedensplan ab, der den Namen eigentlich gar nicht verdient, der die europäische Sicherheitsordnung schwächt und keinem gerechten, nachhaltigen Frieden dient.
Dieser Angriffskrieg hat auch Deutschland verändert. Wir sprechen heute selbstverständlich über Verteidigungsfähigkeit. Und vermutlich müssen ab 2027 auch junge Erlanger wieder zur Musterung antreten. Was für viele Vergangenheit schien, wird plötzlich wieder neue Realität.
Auch der Krieg zwischen Israel und Gaza hat seine Spuren bei uns hinterlassen. Die Zerstörung ist unfassbar, die Zahl der Opfer kaum zu ertragen. Viele Menschen stehen vor dem Nichts. Gleichzeitig gibt es eine Zunahme von Antisemitismus hier in Deutschland, verbunden mit Spannungen und Polarisierungen, die auch in Erlangen spürbar sind.
Gerade deshalb sehe ich es als unsere gemeinsame Aufgabe im Stadtrat, allem entgegenzuwirken, was spaltet. Uns kontinuierlich und aktiv dafür einzusetzen, dass wir hier in Erlangen ein friedliches, respektvolles Miteinander bewahren.
2. Deutschland – ein Land auf der Suche nach Stabilität
Doch nicht nur international ist vieles in Bewegung. Auch in Deutschland befinden wir uns in einer Phase der Verunsicherung. Menschen machen sich Sorgen um ihre Zukunft – um die wirtschaftliche Entwicklung, um ihre Arbeitsplätze, aber auch um die Zukunft unseres Planeten, um Klimaschutz und die zunehmende Erderwärmung.
Umso wichtiger war es, dass nach der Bundestagswahl überparteilich ein großes Infrastrukturpaket beschlossen wurde. Ein Paket, das dazu beitragen soll, dass wichtiges Geld auch bei den Kommunen ankommt – dort, wo Infrastruktur tatsächlich entsteht und wo sie täglich von Menschen erlebt wird.
Denn der Druck bleibt hoch: Es fehlt an Wohnraum. Gleichzeitig müssen wir unsere Wirtschaft stärken, Energieversorgung umstellen, Digitalisierung vorantreiben, uns um den uns um zeitgemäße und bedarfsgerechte Schulen kümmern und ausreichend Kinderbetreuung bereitstellen. Und all das trifft zusammen mit der Herausforderung, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und dafür zu sorgen, dass niemand auf der Strecke bleibt.
3. Erlangen – ein Jahr mit enormen Herausforderungen
In diese politisch unruhige Zeit fällt die schwerste Finanzkrise der letzten Jahrzehnte unser Erlanger Stadtgeschichte. „So schlimm war es noch nie“ hat mir kürzlich Verwaltungsmitarbeiterin gesagt, die demnächst in den Ruhestand geht. Die Folgen sind überall sichtbar und spürbar: Stellen können nicht gleich wiederbesetzt werden, fallen teilweise weg, an allen Ämter-Budgets wurde gespart, am Bauunterhalt, an Schulen, an freiwilligen Leistungen – überall, selbst am Kaffee für unsere Sitzungen. Das hat wehgetan, und es tut weiterhin weh.
Sie alle, damit meine ich sowohl den Stadtrat als auch die Verwaltung und natürlich ganz besonders die Kämmerei, sind sehr konstruktiv mit dieser schwierigen Situation umgegangen und haben eine große Zahl an Konsolidierungsmaßnahmen vorgeschlagen, abgestimmt und umgesetzt. Ich finde diese Kraftanstrengung, zusätzlich zum Alltagsgeschäft, verdient unseren allergrößten Respekt. Deshalb möchte im Namen des gesamten Stadtrats Danke sagen, danke an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung, die diese Mühen und Einschränkungen auf sich genommen haben und trotz knapper Kassen weiter ihr Bestes geben, um unsere Stadt nicht nur „am Laufen“, sondern auch schön und lebenswert zu erhalten. Vielen Dank an Sie alle!
Politisch war dieses Jahr ebenfalls besonders. Im Februar platzte die Kooperation zwischen CSU und SPD. Seitdem arbeiten wir mit wechselnden Mehrheiten – eine Situation, die wir in dieser Stadtratsperiode bisher nicht kannten. Das bringt Unsicherheiten mit sich, aber auch Chancen: Für neue Bündnisse, neue Allianzen, für inhaltliche Debatten, die nicht automatisch entlang bekannter Linien verlaufen. Und am Ende kann diese Offenheit unsere demokratische Kultur sogar bereichern.
Typisch für die politische Kultur in Erlangen war auch, dass es erneut einen Bürgerentscheid gab – davon haben wir ja traditionell besonders viele.
Der Bürgerentscheid „Wohnraum erhalten“ – egal wie man das Ergebnis bewertet – hat gezeigt, wie wichtig das Thema Wohnen für viele Menschen in dieser Stadt ist. Viele, die hier arbeiten oder studieren, finden schlicht keine Wohnung, die sie sich leisten können. Wir wissen alle, es fehlen mehrere Tausend Wohnungen. Deshalb ist der Auftrag aus diesem Bürgerentscheid konsequent weiter daran zu arbeiten, nicht nachzulassen in dem Bemühen neuen Wohnraum zu schaffen - und davon möglichst viel bezahlbar für alle Menschen in unserer Stadt.
4. Herausragende Ereignisse
Neben Finanzkrise und politischen Auseinandersetzungen gibt es natürlich auch positives zu berichten, schöne Erfolge aus diesem Jahr. Ein paar Punkte davon möchte ich exemplarisch hervorheben.
Windkraft Römerreuth
Der Windpark Römerreuth ist für mich ein echtes Zukunftsprojekt, das zu den positiven Höhepunkten des Jahres zählt – wahrscheinlich auch, weil es mein Herzensthema die Energiewende betrifft. Die Erlanger Stadtwerke haben es nicht nur geschafft zusammen mit den Herzowerken den Zuschlag im Bieterverfahren zu erhalten – was auch schon keine Selbstverständlichkeit war- sondern beim Preis auch noch eine Punktlandung hingelegt – besser hätte man es kaum machen können. Jetzt hoffe ich, dass das Projekt weiterhin so störungsfrei voran kommt und sich 2028 die ersten Windräder auf unserem Stadtgebiet drehen werden.
Kommunale Wärmeplanung
Auch Teil der Energiewende ist die kommunale Wärmeplanung, die dieses Jahr abgeschlossen wurde. Das Thema „Wie können wir morgen Heizen?“ bewegt derzeit viele Menschen. Der vorliegende Energienutzungsplan mit Eignungsgebieten gibt eine erste Orientierung darüber, wo künftig ein Wärmenetz entstehen kann und wo andere Lösungen wie Wärmepumpen sinnvoll sind. Jetzt gilt es, das Ganze zu konkretisieren und mit Zeitplänen zu hinterlegen. Darauf warten viele Menschen in unseren Stadt- und Ortsteilen.
Grundsteinlegung Fabrik der Zukunft
Auch um unsere Zukunft, um das „Industrial Metavers“, ging es bei der Grundsteinlegung des neuen Technologie Campus an der Frauenauracherstraße. Siemens investiert 500 Millionen Euro und will dort eine vollständig virtuelle Fabrikwelt schaffen – und zwar umgesetzt als Null-Emissionen-Standort. Über eine solche Entscheidung können wir uns wirklich glücklich schätzen.
Startchancenprogramm für sieben Schulen
Glücklich schätzen können wir uns auch über die Aufnahme unserer Schulen in das Start-Chancenprogramm: Letztes Jahr wurde schon die Mönau Schule aufgenommen, dieses Jahr sechs weitere Schulen. Das bedeutet zusätzlicher Gelder für moderne Lernumgebungen, pädagogische Weiterentwicklung und extra Unterstützungsteams. Einziger Haken, wir müssen unseren städtischen Eigenanteil von 30% aufbringen, damit wir die Mittel auch wirklich abrufen können. Beim KI- und Medienbudget ist das dieses Jahr geglückt Ich hoffe sehr, dass wir es hier auch hinbekommen.
5. Ereignisse, die die Stadt bewegt haben
Nicht unerwähnt lassen möchte ich einige besondere Höhepunkte des Jahres
- Im Mai hatten wir einen Flugzeugcrash in Erlangen Mitte, direkt neben dem Himbeerpalast – zum Glück nur als Katastrophenschutzvollübung mit 800 haupt- und ehrenamtliche Einsatzkräfte, ein beeindruckendes Zusammenspiel der Kliniken und aller Blaulichtorganisationen vor Ort. Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben.
– Special Olympics im Juli – 1.500 Athletinnen und Athleten in 19 Sportarten zu Gast in Erlangen plus genauso viele Freiwillige, ein Fest der Inklusion und Lebensfreude auf das alle, die dabei waren sehr stolz sein können.
– Natürlich gab es 2025 auch diverse Jubiläen in unserer Stadt, z.B. 60 Jahre Pfadfinderstamm Asgard, 50 Jahre Jugendfarm, 50 Jahre Jugendclub Omega und viele mehr die, die zeigen, welche lange Tradition des gelebten Ehrenamts es in Erlangen gibt.
– Nicht unerwähnt lassen will ich auch den Deutschen Excellence Preis für unsere Volkshochschule, die zu den leistungsstärksten Erwachsenenbildungseinrichtungen Bayerns zählt. Eine verdiente Auszeichnung für die hervorragende Arbeit, die dort geleistet wird.
6. Das Ehrenamt und die Vielfalt unserer Stadt
Das alles zeigt, was für eine lebendige und engagierte Stadtgesellschaft wir haben. Und gerade jetzt im Wahlkampf, wo die Diskussionen manchmal schärfer und die Töne lauter werden, bleibt es trotzdem unser gemeinsames Ziel – so nehme ich es zumindest wahr –auch in Zeiten von sehr knappen Kassen, nicht nur Pflichtaufgaben zu erfüllen, sondern diese lebendige Stadtgesellschaft am Leben zu erhalten.
Und auch Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, engagieren sich ehrenamtlich hier im Stadtrat, in der politischen Arbeit. Sie investieren viele Stunden in der Woche. Sie tragen Verantwortung, und ringen um die besten Entscheidungen. Und dafür möchte ich auch ihnen heute danken. Schön, dass wir hier in Erlangen so einen engagierten Stadtrat haben. Und ich bin sicher, dass wir alle nach der intensiven Zeit der letzten Wochen mit vielen Terminen, Haushaltsverhandlungen, Grundsteuererhöhung und aufgeheizten Debatten eine Pause redlich verdient haben. Ich wünsche Ihnen allen ein paar ruhige und entspannte Feiertage. Kommen Sie gut und sicher ins neue Jahr. Ich freue mich Sie alle wohlbehalten im Januar wiederzusehen.
Doch bevor sie für heute beschließen, habe ich noch einen allerletzten Punkt, der mir besonders wichtig ist, ansprechen.
Erlangen ist eine vielfältige Stadt: 25 Prozent unserer Bevölkerung haben einen ausländischen Pass, Menschen aus 145 Nationen leben hier. Und wir können uns glücklich schätzen, dass all diese Menschen zu uns gekommen sind, um hier gemeinsam mit uns zu studieren, zu arbeiten und zu leben. Viele feiern Weihnachten, andere Diwali, Chanukka oder das Ende des Ramadan. Manche genießen einfach ein paar ruhige Feiertage. Diese Vielfalt ist ein riesiger Schatz für uns.
Deshalb war auch für mich die Unterzeichnung der Erklärung für Vielfalt ein besonderer Höhepunkt in diesem Jahr. Damit haben wir und alle unterzeichnenden Organisationen ein starkes Zeichen für ein demokratisches, respektvolles und vielfältiges Zusammenleben gesetzt.
Gemeinsam mit allen von Ihnen, mit allen, die sich hier in unserem Stadtrat für Vielfalt einsetzen, für Offenheit, Toleranz, Respekt und ein positives Miteinander, möchte ich mich auch in Zukunft, im neuen Stadtrat dafür stark machen, dass unsere demokratischen Werte und das Wohlergehen unserer Stadt an oberster Stelle stehen. Das ist die Aufgabe verantwortungsvoller Politik, das ist unserer gemeinsame Aufgabe!
Vielen Dank
- es gilt das gesprochene Wort -
Foto: Pressestelle cz
Mehr zum Stadtrat
Stadtrat und Gremien
Welche Beiräte gibt es? Wo hält sich der Oberbürgermeister gerne auf. Wer hat welche Aufgaben? Antworten gibt es hier.
Stadtrat und Gremien
Welche Beiräte gibt es? Wo hält sich der Oberbürgermeister gerne auf. Wer hat welche Aufgaben? Antworten gibt es hier.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
In der Pressestelle werden wichtige Informationen aus der Verwaltung für die städtische Internetseite, kommunale Publikationen sowie Presse, Hörfunk und Fernsehen aufbereitet und veröffentlicht.
Anschrift
Öffnungszeiten
zusätzlich individuelle Terminvereinbarung